Ursula Poznanski

Cryptos

Kennt ihr das, wenn ihr in eine Buchhandlung geht und wirklich, wirklich, also ganz, ganz wirklich nur ein Geschenk für jemand Anderen und nichts für euch selbst kaufen wollt? Und dann ist da dieses eine Buch, quasi überall, und es schreit euch schon fast an, weil es so unendlich gerne in euer Bücherregal ziehen will?
Japp, genau so ist es mir mit Cryptos passiert…Im Nachhinein kann ich aber zur allgemeinen Beruhigung sagen, dass es eine gute Wahl war.

Jetzt aber erstmal zum Buch:

In ihrem neuesten Thriller „Cryptos“, der in diesem Jahr beim Loewe-Verlag erschien, erschafft Ursula Poznanski eine düstere und dystopische Version der Zukunft, in der den Menschen nur noch die Flucht in virtuelle Welten als Ausweg bleibt.

 

 

Stell dir vor du sitzt auf einem hölzernen Steg, deine Füße hängen ins Wasser, in der Ferne treiben Segelboote, Möwen kreisen am Himmel, das Meer ist türkisblau, der Horizont färbt sich langsam rot und nur ein paar Schritte entfernt wartet ein gemütlicher Bungalow auf dich.

Alles ist perfekt. Doch nichts davon ist echt, all das geschieht nur in virtuellen Welten.
Und die reale Welt sieht ganz anders aus: Es ist viel zu heiß, Naturkatastrophen stehen an der Tagesordnung, große Teile der Welt sind versunken, zerstört oder unbewohnbar.

Jetzt, wo Ressourcen und Lebensraum begrenzt sind, die Menschen nirgendwo mehr hin können, bleibt ihnen nur noch eins: Die Flucht in virtuelle Welten, mit Hilfe von speziell dafür entwickelten Kapseln.

All das kontrolliert Mastermind und dessen Weltendesignern sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Dinosaurierwelten, historische Orte, Detektivwelten, Fantasy-Welten mit Fabelwesen; all das und viel mehr ist zu finden.

Und zu erwerbende Weltenpässe ermöglichen den Zugang zu ihnen.

Jana ist eine dieser Weltendesigner und dabei ist ihr besonders Kerrybrook, ein idyllisches, irisches Dorf, ans Herz gewachsen.

Als es ausgerechnet dort zu merkwürdigen Ausfällen und sogar einem Mord kommt und Jana dann auch noch von ihrer Arbeit freigestellt wird, beschließt sie, auf eigene Faust herauszufinden, was dort vor sich geht.

Schnell stößt sie dabei auf rätselhafte Botschaften.- Und auf Verfolger.

Und bald wird ihr klar, dass noch viel mehr hinter dem Ganzen steckt, als sie jemals für möglich gehalten hätte.

Was mich an dieser Geschichte besonders gefesselt hat, sind zum Einen die fantasievollen und zahlreichen virtuellen Welten, die ich beim Lesen gerne noch näher erforscht hätte.

Zum Anderen aber auch die Aktualität dieser Thematik. Es wirkt so glaubwürdig und realistisch, fast schon wie ein beängstigender Ausblick in unsere tatsächliche Zukunft.

Doch keine Sorge, einen erhobenen Zeigefinger gibt es während dem Lesen nicht.

Vielmehr wartet eine Geschichte voller Spannung, die mit einigen Überraschungen, Rätseln und Wendepunkten gespickt ist. Und einer Protagonistin, die den Mut dazu hat, das Richtige zu tun.

Der einzige Kritikpunkt ist für mich ein ganz klein wenig das Ende.

Es kam meiner Meinung nach doch etwas zu abrupt und es sind doch noch einige Dinge offengelassen worden, die ich gerne näher erfahren hätte.

Das kann natürlich auch einfach an meiner Neugier liegen, das Leseerlebnis hat es auf jeden Fall kaum getrübt.

So bleibt Cryptos für mich ein lesenswertes und interessantes Buch. -Und eine absolute Leseempfehlung.